Neue Freundschaft, neue Bindungen, ein schönes soziales Umfeld
Integration durch Sport: Yurii Kozachuk, Jana Cuvrk und Bruno Ndabazigiye (v.l.) trainieren gerne zusammen
Der Karateverein Yamakawa Hameln engagiert sich in der Integration geflüchteter Jugendlicher – und erhielt dafür den Niedersächsischen Integrationspreis 2024
Die Ursprünge des Karate reichen über 1500 Jahre zurück, den Karateverein Yamakawa Hameln gibt es erst seit 2024. Und doch hat er schon viel Gutes bewirkt – in der Integration geflüchteter Menschen.
Neben vielen anderen Kindern und Jugendlichen trainieren zwei 18-Jährige aus Flüchtlingsfamilien im Verein: Bruno Ndabazigiye, der in Mosambik geboren ist, und Yurii Kozachuk aus der Ukraine. Und für beide ist der Verein eine Art neuer Familie geworden. „Fünfmal die Woche Karate mit der Mannschaft, neue Freundschaft, neue Bindungen, das gibt natürlich ein schönes soziales Umfeld“, sagt Bruno.
Brunos Familie stammt ursprünglich aus Ruanda. Vor dem Bürgerkrieg in den 1990ern floh sie nach Mosambik, wo er auch geboren wurde. 2016 kam Bruno mit seiner Mutter und seinen Schwestern nach Deutschland und landete schließlich in Hameln. Und wie kam er zum Karate?
Es hat schon ein bisschen Kraft und Zeit gebraucht, mir hier ein passendes Umfeld zu schaffen. Das will ich jetzt nicht wieder aufgeben.
„Der Hauptbeweggrund ist diese Frau“, schmunzelt Gymnasiast Bruno und zeigt auf Jana Cuvrk. Sie ist Gründerin, Trainerin und Erste Vorsitzende des Vereins. Ihr Sohn ist ein Freund von Bruno und nahm ihn irgendwann mal mit zum Training. Inzwischen liebt Bruno den vielseitigen Sport. „Also beim Fußball ist die Aufgabenstellung simpel: ins Tor schießen, Karate hat ein viel breiteres Spektrum“, sagt er und fügt grinsend hinzu, dass er aber auch Fußball spielt.
Yurii stammt aus der Stadt Tscherniwzi (Czernowitz) an der Grenze zu Rumänien. Beim russischen Angriff auf die Ukraine 2022 kam er als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland. In Hameln besucht er inzwischen die Fachoberschule. Hier Karate zu machen, lag für ihn nah, er hatte schon zwei Jahre zuvor in der Ukraine mit dem Sport angefangen. „Man kann sich damit selbst verteidigen und geht mit einem sicheren Gefühl auf die Straße“, das gefällt ihm an dem Sport. Auch er hat im Verein Freunde gefunden.
Mein Ziel: Mindestens bis zum schwarzen Gürtel kommen und so viel Erfahrung zu sammeln wie möglich.
Jana Cuvrk macht seit über 30 Jahren Karate, hat den Schwarzen Gürtel und eine Trainerlizenz. Bereits 2018 gründete sie im ESV Eintracht Hameln eine Karateabteilung, der eigenständige Verein folgte sechs Jahre später. Der Integrationsgedanke war dabei stets wichtig. „Wer Jugendlichen Wege zeigt, öffnet Türen – und hinterlässt Spuren, die nie verblassen“, sagt sie. Heute trainieren bei Yamakawa junge Sportler aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan, Irak und verschiedenen afrikanischen Ländern.
Und der Verein ermöglicht nicht nur Training. Auch eine Hausaufgabenbetreuung wird angeboten sowie Wochenendfreizeiten. Zu diesen sind dann die Familien mit eingeladen. „Es ist für zugezogene Menschen schwierig, von ihrer Muttersprache wegzukommen und Deutsch zu lernen“, erklärt Jana. Hier können sie es. „Da bringen sich dann auch die Mütter ein und kochen Borschtsch oder Spaghetti Bolognese.“
Die Jugendlichen blühen als Trainer auf – und die Kinder sehen Vorbilder in ihnen.
Die Philosophie, dass die jungen Sportler früh selbst Verantwortung übernehmen, gehört ebenso zum Selbstverständnis des Vereins wie der Integrationsgedanke. Zehn der Karatekas haben inzwischen die offizielle C-Trainer-Lizenz des DOSB absolviert und leiten selbst Trainingsgruppen an. Dafür erhielt Yamakawa Hameln 2024 den Niedersächsischen Integrationspreis.
Auch Bruno und Yurii, die beide den lila Gürtel haben, sind Trainer. Bruno betreut außerdem junge Sportlerinnen und Sportler bei Wettkämpfen, „das macht tierisch Spaß“. Mit Karate wollen sie unbedingt weitermachen und irgendwann auch den schwarzen Gürtel haben.
Wie es nach der Schule weitergehen soll, wissen sie auch schon. Yurii macht 2026 sein Fachabitur und hat schon eine Ausbildungsstelle als Mechatroniker gefunden. Bruno will nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr möglichst in seiner Heimat machen und anschließend studieren, „etwas in Richtung Soziales“. Ihre Zukunft sehen sie auf jeden Fall in Deutschland.
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