Demokratie braucht Streitkultur
"Demokratie vor Ort" – Rund 200 Teilnehmende kamen am 30. Oktober im EWE-Forum „Alte Fleiwa“ zur 6. Demokratiekonferenz in Oldenburg zusammen.
Wie können wir in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung konstruktiv miteinander streiten? Dieser Frage widmeten sich die 6. Demokratiekonferenz der Partnerschaften für Demokratie Oldenburg, die am 30. Oktober gemeinsam mit NIEDERSACHSEN PACKT AN im EWE-Forum „Alte Fleiwa“ stattfand. Rund 200 Teilnehmende aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik und Engagement nutzten die Veranstaltung, um über demokratische Debattenkultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Gespräch zu kommen.
Bereits am Nachmittag wurde das EWE-Forum zur Demokratie-Werkstatt: In verschiedenen Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit Themen wie Meinungsfreiheit, dem Umgang mit Hetze und Desinformation sowie aktivem Zuhören auseinander. Ziel war es, Wege zu diskutieren, wie gesellschaftliche Debatten auch bei unterschiedlichen Positionen respektvoll und konstruktiv geführt werden können.
Wir sind eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen immer mehr Gehör finden.
Ein besonderer Höhepunkt war der Vortrag der Politikwissenschaftlerin Dr. Julia Reuschenbach. Sie sprach zum Thema „Warum wir als Gesellschaft besser streiten sollten“ und warb für eine differenzierte Betrachtung des Zustands unserer Demokratie. Sie betonte, dass Meinungsunterschiede kein Problem, sondern eine wesentliche Grundlage einer lebendigen Demokratie seien.
„Wir sind eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen immer mehr Gehör finden“, erklärte Reuschenbach. Diese Entwicklung sei Ausdruck demokratischer Teilhabe, stelle Politik und Gesellschaft aber auch vor neue Herausforderungen. Die zunehmende Individualisierung führe dazu, dass die Frage nach dem Gemeinwohl häufig hinter individuelle Interessen zurücktrete.
Als wichtigen Ansatz für eine stärkere demokratische Teilhabe hob Reuschenbach die Bedeutung aufsuchender Formate hervor. Es gelte, Menschen außerhalb der eigenen Netzwerke anzusprechen und neue Räume für Begegnung und Dialog zu schaffen. Darüber hinaus könne es der politischen Kultur helfen, Zustimmung und Zufriedenheit mit politischen Entscheidungen sichtbarer zum Ausdruck zu bringen.
Die Demokratiekonferenz machte deutlich, dass Demokratie vom offenen Austausch, von unterschiedlichen Perspektiven und vom Engagement vieler Menschen lebt. Unser Dank gilt den Partnerschaften für Demokratie Oldenburg, dem Präventionsrat der Stadt Oldenburg, Dr. Julia Reuschenbach, allen Referierenden, Mitwirkenden und Gästen, die mitgedacht, mitdiskutiert und Haltung gezeigt haben. Gemeinsam stärken sie die Demokratie vor Ort.
Die Veranstalter sind sich einig, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine solche, gewinnbringende Veranstaltung geben soll.